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Immer der Nase nach!

-18.08.2008

Lenin weiß genau, wo es langgeht. Die Anhöhe hinauf, am Drachen vorbei bis zum Friedhof. Hier irgendwo befindet sich das Opfer.

Immer der Nase nach! Lenin weiß genau, wo es langgeht. Die Anhöhe hinauf, am Drachen vorbei bis zum Friedhof. Hier irgendwo befindet sich das Opfer. Irgendwo zwischen den Grabsteinen, Särgen und den ganzen unheimlichen Wesen. Doch Lenin lässt sich weder von Fledermäusen noch Zombies ablenken. Zielstrebig steuert er die am Boden liegende Frau an und bellt laut, damit sein Herrchen sofort weiß, wo er sich befindet. Nämlich mitten in einer Geisterbahn auf dem Hamburger Dom – bei einer Übung der Rettungshundestaffel Hamburg Harburg. In der „Geisterschlange“ auf dem Heiligengeistfeld haben am Sonntag acht Rettungshundeführer und ihre Vierbeiner den Ernstfall geprobt.

Ein Hund in der Geisterbahn? Das klingt zwar wie der Elefant im Porzellanladen – ist aber alles andere als ein tierischer PR-Gag. Denn mit dem Training an ungewöhnlichen Orten werden die Rettungshunde auf lebensrettende Einsätze vorbereitet. „Hunde lernen über Bilder. Je mehr Bilder – und Umgebungen – sie kennen, umso besser sind sie“, sagt Thomas Wegner, zweiter Vorsitzender der Rettungshundestaffel – und Herrchen von Viszla-Rüde Lenin. Der zweieinhalbjährige ungarische Vorstehhund macht seit 2006 eine Ausbildung zum Rettungshund und steht kurz vor der Abschlussprüfung. Zwei Jahre lang haben Hund und Herrchen zweimal pro Woche trainiert, damit sie später überall dort helfen können, wo Menschen in Gefahr sind.
Entsprechend routiniert reagierte Lenin auf den ungewohnten Einsatzort und erfüllte vorbildlich seine Aufgabe: zwischen Geistern und Gespenstern eine „verloren gegangene Person“ ausfindig machen. Ein Kinderspiel für Lenin, der zusammen mit den anderen Mitgliedern der Rettungshundestaffel schon auf Flugzeugen und Schiffen trainiert hat – um im Notfall auch auf mehreren Zehntausend Quadratmetern einen vermissten Menschen ausfindig zu machen.

Doch nicht alle Vierbeiner konnten sich mit dem ungewöhnlichen Einsatzort anfreunden. Der Hündin Ronja jagte die schaurige Umgebung einen so großen Schrecken ein, dass sie die Geisterbahn zuerst gar nicht betreten wollte – sehr zur Freude von Betreiber Emil Lehmann, der der Rettungshundestaffel sein Fahrgeschäft für die Übung zur Verfügung gestellt hatte und stolz darüber war, wie gruselig die „Geisterschlange“ auf einige wirkte. Allerdings ist Ronja auch erst zehn Monate alt und am Beginn der Ausbildung. „Man könnte sagen, sie geht noch in den Kindergarten“, sagt Besitzerin Martina Grinnus. Sie ist sich jedoch sicher: „Beim Winterdom lässt sie sich von dem Hokuspokus schon nicht mehr abschrecken.“
Nach der Übung in der Geisterbahn fuhr die Rettungshundestaffel noch eine Runde mit dem Riesenrad. Aber nicht zur Übung, sondern zur Belohnung. Nur Ronja, die blieb lieber draußen.

Die Rettungshundestaffel freut sich über neue Mitglieder. Trainiert wird mittwochs um 19 Uhr in Wilhelmsburg (Alte Schleuse 23). Infos unter www.rhs17.de.
(nik)

 

Quelle: Hamburger Abendblatt

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